Erinnern – Teil I

Als meine Zeit bei de Gruyter 1994 zu Ende ging, hatten wir es seit 1988 geschafft, ein Lokales Netz (LAN) aufzubauen und die Schreibmaschinen durch Computer zu ersetzen.

Als wir starteten gab es noch DOS und Anwendungen wie WORD 5.0. Excel und dBase waren in Gebrauch und wir hatten verstanden mit Hilfe von rtf aus einer Datenbank Kataloge zu erzeugen. Das ersparte Satz- und Korrekturaufwand in Zeit und Geld in so beträchtlichem Umfang, dass sich die Investitionen bald rechneten.

Parallel arbeiteten die Hersteller jedoch unverändert traditionell. Wir konnten uns nicht entschließen, auch Bücher mit Hilfe von Desktop Publishing Programmen zu erzeugen. Wir waren überzeugt, dass es sich nicht rechnen würde. Die Produktionszeiten lagen bei Monaten und Jahren und die Art, wie Autoren und Verlag zusammenarbeiteten, war höchst traditionell.

Wir hatten aber begonnen, so etwas wie »gelistete« Lieferanten einzuführen für den Kern unserer Produktion. Und die ersten hatten begonnen, wenn auch mit unzulänglichen Mitteln wie WORD, Satzmuster zu formatieren, um schneller zu einer konkreten Vorstellung des geplanten Layouts zu kommen.

Als ich 1994 zu Droemer kam, gab es bereits ein Titel-Info-Verwaltungsprogramm, das von allen Herstellern genutzt wurde, mit dessen Hilfe Termine geplant und Kalkulationen erstellt wurden. Es konnten Auswertungen unter vielen Gesichtspunkten gefahren werden, die alle einem Ziele dienten: schneller zu einem belastbaren Ergebnis kommen.

Für den hausinternen Satz wurde Ventura Publisher eingesetzt. Es wurden Postscript-Dateien erzeugt und den Druckereien zur Verfügung gestellt. Für aufwendige Bildbände wurde Quark Express genutzt, für das zahlreiche Extensions benötigt wurden, um es wirklich effektiv nutzen zu können. Wir haben deshalb nur zwei Arbeitsplätze damit ausgerüstet. Als Ventura Publisher in der Krise war, haben wir uns nach echten Satzsystemen wie 3B2 umgeschaut. Das war unbezahlbar, aber glücklicherweise kam nach der Übernahme von Ventura eine neue Version des Publisher heraus, die unsere Bedürfnisse voll und ganz traf und die bezahlbar war.

Die Produktionszeiten im engeren Sinn lagen bei Wochen, nicht mehr wirklich bei Monaten. In hoher Zahl mussten vor allem Taschenbücher monatlich schlank produziert werden.

Wir organisierten Standardabläufe für die Repro und konzipierten neu strukturierte Preislisten, um den Aufwand auf beiden Seiten zu reduzieren. Wir schrieben Lieferqualitäten fest und wollten für die Einhaltung von vereinbarten schlanken Standardabläufen so wenig wie möglich bezahlen. Im Gegenzug waren wir bereit, für von uns selbst verursachte Aufwende aufzukommen und die Kosten für Abweichungen von den vereinbarten Standards auf unsere Kappe zu nehmen.

Alles in allem repräsentierte das nicht den durchschnittlichen Stand deutscher Verlagsherstellung.

Als meine Zeit bei Droemer 2003 zu Ende ging, hatten wir Millionen an wiederkehrenden Kosten eingespart indem wir unsere Prozesse tiefgreifend analysierten, die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten und unsere Produkte optimierten, sowie Prozessschleifen eliminierten. Wir hatten eine Basis geschaffen, die vorhandenen Ressourcen extensiv zu nutzen, schnell, sicher zu planen und kostengünstig umzusetzen.

Und wir hatten bereits Neuland betreten: Wir hatten begonnen, die Backlist durch digitalen Nachdruck zu stützen und die Lagerbestände zurückzufahren. Wir hatten eine Website mit einem zukunftsträchtigen Konzept auf den Weg gebracht, uns intensiv mit Digitalem Publizieren beschäftigt und uns gedanklich darauf eingestellt, unsere Inhalte anders aufbereiten und auch für andere Märkte bereitstellen zu können. Wir waren überzeugt für die digitale Zukunft gerüstet zu sein, auch wenn wir erst an ihrem Anfang standen.

Helmut von Berg

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