Archive for the ‘Diskussion’ Category

Was ist die Situation 2008?

Freitag, August 29th, 2008

Die Publishing Welt bewegt sich und es ist – noch – offen, in welche Richtung, mit welcher Qualität. Es gibt neue Geschäftsmodelle und Konzepte »jenseits der Verlagswelt«.

Kritische Faktoren dabei sind, die eigenen Märkte genauer zu kennen, um sie besser adressieren zu können, abstrahieren zu lernen und neu zu denken, um nicht an alten Konzepten und Modellen gedanklich kleben zu bleiben.

Content ist das treibende Element, nur in einer anderen Weise, als wir heute denken. Wird Content entwertet, wenn er kostenfrei eingesetzt wird? Was hilft es, wenn wir Content administrativ zu schützen versuchen? Wofür ist das letztlich wirklich gut? Wenn die eigentliche Frage eines Geschäftsmodells ist, wo wir das Kassenhäuschen aufstellen!? Und die Herausforderung lautet: Any time, any place, any where.

Sich entwickelnde Begriffe mit teilweise neuen Bedeutungen bezeichnen Herausforderungen und mögliche Lösungen:

Automatisierung. Nur Automatisierung der Prozesse ermöglicht, dass der potenzielle Kunde sein Produkt schnell – und das wird bald nur noch eine Frage von Minuten sein – so erhält, wie er es will.

Standardisierung als Voraussetzung der Automatisierung und ebenso dafür, das Kerngeschäft sicher zu generieren, hilft außerhalb des Kerngeschäfts auch etwas riskieren zu können, Neuland zu betreten und eine aktive Rolle in neuen Märkten zu spielen.

Contextualization. Wenn man mit Content kein Geld verdienen kann, dann unter Umständen damit, in welche Umgebung man ihn stellt.

Metadaten. Wie kann man Inhalte besser findbar machen? Content mit den Augen des Kunden sehen und bewerten ist heute leider vielfach noch ein ungelöstes Problem, aber das, was das Finden erst ermöglicht.

Kenne Deinen Kunden. Wenn ich einem Kunden etwas verkaufen will, muss ich wissen, was er für Bedürfnisse hat, muss etwas über ihn erfahren.

Der Kunde soll entscheiden können, wie sein Produkt aussieht. Dafür müssen wir in der Prozesskette die Voraussetzungen schaffen.

Content findbar machen, zusammengefasst in der Aufforderung: »Engage with engines«. Wir müssen nicht nur lernen, ihre Sprache zu sprechen, sondern vielmehr unsere eigene Ausdrucksfähigkeit auf ein anderes Level zu heben, um mit der Abstraktion verständlicher zu werden.

Bücher können noch im Mittelpunkt des Verkaufens stehen, aber sie dürfen nicht mehr im Mittelpunkt des Denkens stehen. Deshalb müssen wir vor allem eines: über Content abstrakt denken lernen.

Helmut von Berg

Erinnern – Teil I

Mittwoch, August 27th, 2008

Als meine Zeit bei de Gruyter 1994 zu Ende ging, hatten wir es seit 1988 geschafft, ein Lokales Netz (LAN) aufzubauen und die Schreibmaschinen durch Computer zu ersetzen.

Als wir starteten gab es noch DOS und Anwendungen wie WORD 5.0. Excel und dBase waren in Gebrauch und wir hatten verstanden mit Hilfe von rtf aus einer Datenbank Kataloge zu erzeugen. Das ersparte Satz- und Korrekturaufwand in Zeit und Geld in so beträchtlichem Umfang, dass sich die Investitionen bald rechneten.

Parallel arbeiteten die Hersteller jedoch unverändert traditionell. Wir konnten uns nicht entschließen, auch Bücher mit Hilfe von Desktop Publishing Programmen zu erzeugen. Wir waren überzeugt, dass es sich nicht rechnen würde. Die Produktionszeiten lagen bei Monaten und Jahren und die Art, wie Autoren und Verlag zusammenarbeiteten, war höchst traditionell.

Wir hatten aber begonnen, so etwas wie »gelistete« Lieferanten einzuführen für den Kern unserer Produktion. Und die ersten hatten begonnen, wenn auch mit unzulänglichen Mitteln wie WORD, Satzmuster zu formatieren, um schneller zu einer konkreten Vorstellung des geplanten Layouts zu kommen.

Als ich 1994 zu Droemer kam, gab es bereits ein Titel-Info-Verwaltungsprogramm, das von allen Herstellern genutzt wurde, mit dessen Hilfe Termine geplant und Kalkulationen erstellt wurden. Es konnten Auswertungen unter vielen Gesichtspunkten gefahren werden, die alle einem Ziele dienten: schneller zu einem belastbaren Ergebnis kommen.

Für den hausinternen Satz wurde Ventura Publisher eingesetzt. Es wurden Postscript-Dateien erzeugt und den Druckereien zur Verfügung gestellt. Für aufwendige Bildbände wurde Quark Express genutzt, für das zahlreiche Extensions benötigt wurden, um es wirklich effektiv nutzen zu können. Wir haben deshalb nur zwei Arbeitsplätze damit ausgerüstet. Als Ventura Publisher in der Krise war, haben wir uns nach echten Satzsystemen wie 3B2 umgeschaut. Das war unbezahlbar, aber glücklicherweise kam nach der Übernahme von Ventura eine neue Version des Publisher heraus, die unsere Bedürfnisse voll und ganz traf und die bezahlbar war.

Die Produktionszeiten im engeren Sinn lagen bei Wochen, nicht mehr wirklich bei Monaten. In hoher Zahl mussten vor allem Taschenbücher monatlich schlank produziert werden.

Wir organisierten Standardabläufe für die Repro und konzipierten neu strukturierte Preislisten, um den Aufwand auf beiden Seiten zu reduzieren. Wir schrieben Lieferqualitäten fest und wollten für die Einhaltung von vereinbarten schlanken Standardabläufen so wenig wie möglich bezahlen. Im Gegenzug waren wir bereit, für von uns selbst verursachte Aufwende aufzukommen und die Kosten für Abweichungen von den vereinbarten Standards auf unsere Kappe zu nehmen.

Alles in allem repräsentierte das nicht den durchschnittlichen Stand deutscher Verlagsherstellung.

Als meine Zeit bei Droemer 2003 zu Ende ging, hatten wir Millionen an wiederkehrenden Kosten eingespart indem wir unsere Prozesse tiefgreifend analysierten, die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten und unsere Produkte optimierten, sowie Prozessschleifen eliminierten. Wir hatten eine Basis geschaffen, die vorhandenen Ressourcen extensiv zu nutzen, schnell, sicher zu planen und kostengünstig umzusetzen.

Und wir hatten bereits Neuland betreten: Wir hatten begonnen, die Backlist durch digitalen Nachdruck zu stützen und die Lagerbestände zurückzufahren. Wir hatten eine Website mit einem zukunftsträchtigen Konzept auf den Weg gebracht, uns intensiv mit Digitalem Publizieren beschäftigt und uns gedanklich darauf eingestellt, unsere Inhalte anders aufbereiten und auch für andere Märkte bereitstellen zu können. Wir waren überzeugt für die digitale Zukunft gerüstet zu sein, auch wenn wir erst an ihrem Anfang standen.

Helmut von Berg

.

Wie war das noch – vor 5 Jahren?

Dienstag, August 26th, 2008

Manchmal fällt es leichter, sich an länger zurückliegende Zeiten zu erinnern. So schreibt der allseits geschätzte Kollege Fritz Peter Steinle in seinem Abschiedsbrief als Herstellungsleiter bei dtv »als ich im Oktober 1964 meine Arbeit im dtv begann, wurden Bücher noch in Blei gesetzt und im Buchdruck gedruckt« und spricht von einer »Zeit der technischen Revolutionen«. Sieht man genauer hin, stellt man dann doch fest, dass Umwälzungen mit über die technische Entwicklung hinaus weit reichenden Wirkungen eher in den letzten 10 Jahren anzusiedeln sind.

Wenn wir uns dann noch versuchen zu erinnern, was unsere Arbeit in Herstellungsabteilungen vor 5 Jahren eigentlich bestimmte, kommen wir unwillkürlich ins Grübeln, was es schon gab und was eben noch nicht, obwohl es heute gang und gäbe ist.

Denn die Zeit der technischen Revolutionen hält nicht nur an, sie beschleunigt und verändert tiefgreifender denn je. Der Unterschied zwischen einer mechanischen oder elektrischen Schreibmaschine und der Computertastatur ist so groß nicht. Was die Nutzung aber bewirkt, liegt Welten auseinander. Unser Verständnis der Wirkungen wächst mit Verzögerung und gegen innere Widerstände, oft einfach nur weil Abstraktion und Dynamik unser gewohntes Denken überfordern. Wir müssen uns unsere Welt neu erklären um ihrer habhaft werden zu können, und das in einem Umfeld, für das lange Zeit der Satz Geltung hatte: »Was Du schwarz auf weiß besitzt, kannst Du getrost nach Hause tragen.«

Bevor wir uns vergewissern, ob dieses Goethe-Wort überhaupt noch Wahrheit transportiert, sollten wir einmal den Versuch unternehmen, die jüngste Entwicklung genauer zu bestimmen.

Sie sind herzlich eingeladen, sich daran zu beteiligen indem Sie sich registrieren um zu kommentieren oder selbst Beiträge zu verfassen.

Ihre Beiträge werden von der Redaktion möglichst umgehend für die Veröffentlichung freigegeben. Die Beiträge wollen wir in einen Jahresrahmen stellen. Den finden Sie in der rechten Spalte unter Categories. Wenn Sie später auf die betreffende Kategorie klicken, sehen Sie nur diese Beiträge. Zurück kommen Sie immer durch einen Klick in den Kopf der Seite. Für Fragen stehen zur Verfügung:

Helmut von Berg    h.von_berg@klopotek.de
oder
Dr. Stefan Kaufer    s.kaufer@klopotek.de