Paradigmenwechsel in der Herstellung
„Der Herstellungsleiter ist ein Prozessmanager geworden“, betitelte das buchreport-Magazin im Mai 2007 in einem spezial zum Thema “Herstellung & Management” ein Interview mit Markus Wilhelm, Herstellungsleiter des Prestel Verlags. Der Hersteller sei mittlerweile derjenige, der „die Fertigungskosten und Termine im Auge behält“, während Aufgaben wie „Repro, die grafische Gestaltung, das Layout, der Satzumbruch und der Druck“, die früher zu seinem Kernbereich zählten, von externen Dienstleistern übernommen würden.
Auch aus einer Gesprächsrunde von vier Herstellungsleitern im selben Heft wird deutlich, dass sich das Berufsbild rasant verändert. „Der Hersteller und vor allem der Herstellungsleiter muss zunehmend in IT-Fragen kompetent sein“, sagt Oswald Immel vom C. Hanser Verlag. „Die gute Kompetenz in Fragen der Typografie und des Materials eines Buches reicht nicht mehr aus.“
Renate Stefan vom Berlin Verlag ist davon überzeugt, dass die Hersteller „heute besser ausgebildet“ sein müssen als früher. „Als Herstellungsleiterin bin ich immer stärker in einer Schnittstellenfunktion. Ob Marketing, Vertrieb oder Lektorat: Die Herstellung muss immer in der Lage sein, Vorgehensweisen und Lösungen anzubieten.“
Ellen Böckmann von BIFAB streicht heraus, dass man sich als Hersteller heute „mehr auf das Produktionsmanagement und weniger auf die klassischen Tätigkeiten“ konzentriere: „Es kommt auf die Prozesssteuerung an und auf den Einsatz neuer digitaler Techniken.“
Ingo Eichel, Springer Science+Business Media, spricht von einer „Industrialisierung“, die den Arbeitsbereich erfasst habe: „Die Herstellung kreiert und steuert künftig Prozesse, mit denen aus medienneutralen Inhalten die unterschiedlichsten Produkte generiert werden.“
Zum Innovationsträger werden
Im buchreport-Magazin vom Juli 2006 unterhält sich Dr. Thomas Wilking mit Erhardt F. Heinold, Unternehmensberatung Heinold, Spiller und Partner, und Helmut von Berg, Direktor Klopotek und Partner. Anlass des Gesprächs ist die Studie „Herstellung im Verlag – Status Quo und Perspektiven“, die von Heinold, Spiller und Partner erstellt wurde und an der von Berg intensiv mitarbeitete.
„Der Hersteller muss seine Rolle neu finden“, sagt von Berg in dem Artikel, Herstellung als Kompetenzbereich werde es auch in Zukunft weiter geben, doch sei die organisatorische Form dieses Bereichs derzeit noch völlig offen. Auch Heinold betont in dem Gespräch, dass „sich das Berufsbild verändert“. Er sehe den Hersteller der Zukunft als „eine Art Innovationsträger“ im Verlag, der technische Entwicklungen und Möglichkeiten verfolgt und nutzbar macht.
Haupt-Herausforderung Digitalisierung
In der Studie selbst, die über die Homepage von Klopotek bestellt werden kann, erwarten 96,4 Prozent der befragten Geschäftsführer von Verlagen, dass sich der Bereich Herstellung verändern wird, wobei sie als Haupttreiber dieser Entwicklung die sich verändernden Märkte und die Digitalisierung von Produkten und Produktionsketten angeben.
„Print is Dead“ ist der polemische Titel eines englischsprachigen Blogs, der eine Zukunft ohne Buch zumindest als das Medium prognostiziert, als das wir es heute kennen: “For over 1.500 years books have weathered numerous cultural changes remarkably unaltered. […] Now, for the first time since the Middle Ages, all that is about to change.” Was bedeutet dies – wenn es stimmt – für die Herstellung?